Freie Demokratische Partei (FDP)

Wasserstoff als Speichermedium

Regenerative Energien haben ein Speicherproblem - Ist Wasserstoff die Lösung?
Autor ist im Thema seit über 16 Jahren aktiv, langjähriges Mitglied der Wasserstoff­gesellschaft Hamburg e.V. (gibt es 2019 nun schon 30 Jahre = www.h2hamburg.de und Mitglied im FDP Bezirksverband Hamburg-Bergedorf.

Der regenerativ erzeugte Strom muss gespeichert werden können und da sind Batterien eine sehr begrenzte Form, während sich „grüner“ Wasserstoff als Speichermedium geradezu perfekt anbietet. Elektrolyse (wandelt Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff um) und die Produktion von grünem Wasserstoff ist eine der möglichen Lösungen. Der H2 kann dann, bis zu 40 % Anteil (aktuelle Untersuchungen) in die Gasnetze geleitet werden, von denen es bei uns über 400.000 Km gibt. Auch Tavernen (Bsp.: Stade) sind ideale Speicher.

Man bedenke auch, dass 90% der Kosten für die Produktion von Wasserstoff Strom ist. Und via großtechnischer Elektrolyse lässt sich der Wasserstoff immer günstiger in immer größeren Mengen produzieren. Da gibt es Schätzungen, dass grüner Wasserstoff in 10 Jahren US $ 2 – 3 pro Kg kosten soll (Toyota); man braucht 1 Kg H2 für 100 Km (Mirai). Und: dann wird der grüne Wasserstoff sogar günstiger als grauer Wasserstoff (aus Erdgas).

Nebeneffekte: hier schlummern enormen Mengen neuer Arbeitsplätze – allein für Elektrolyseure geschätzt über 180.000 neue Jobs in Deutschland. Der Bund täte gut daran, statt 1 Mrd. Euro allein in Batterietechnik, besser in H2-Forschung, z.B. 1000 H2-Tankstellen (400 sollen es ja bis 2024 werden) zu investieren. Denn: Großserien für wasserstoffbetriebene KFZ sollen bereits 2020/21 auf den Markt kommen. Auch LKW, Schienenfahrzeuge, Schiffe, Gabelstapler und Brennstoffzellenfahrzeuge werden dann nicht teurer als normale Verbrenner, bzw. rein batteriegetriebene KFZ sein. Da muss natürlich zeitnah (parallel) die Ladestruktur (H2-Tanksäulen) her. Am Rande: bei Stromladestationen sprechen wir von einem Bedarf von über 100.000 – was für ein gigantischer Platzbedarf!

Es geht aber weiter: via Power-to-X (Wärme, synthetische Treibstoffe, Chemikalien) lassen sich dann nicht nur via H2 Wärme, Kälte und Strom, sondern auch CO2-Emissionen in Energie und Ertrag umwandeln = Methanisierung. Man löst damit gleichzeitig ein Emissionsproblem – geht doch!

Kurzum: Deutschland könnte bei dem ganzen Themenkomplex „grüner Wasserstoff“ und dem Medium der Wandlung in Strom (Brennstoffzelle) weltweit positiver Frontrunner sein, wenn die Politik denn dies wollten/verstehen würde. Japan macht es mit der „Hydrogen Society“ in 2020 vor und nun kommen endlich klare Zeichen aus China, dass man die Förderung von batteriegetriebenen KFZ stark reduziert und letztendlich einstellt = zu Gunsten der Brennstoffzelle und „grünem Wasserstoff“ – so in den vergangenen Tagen gelesen, wie auch Interviews von Prof. Wan Gang (vormals Technologieminister Chinas), der ja die Batterie nach vorne gebracht hat und nun die Zukunft in der Brennstoffzelle sieht.

Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gehört völlig neu aufgesetzt, schafft es doch durch eine Vielzahl von unnötigen Kosten (Steuern) gravierende Behinderungen für den Einsatz u.a. Power-to-Gas, wie wir es hier in Hamburg-Reitbrook (HanseWerk) im negativen Sinne sehen können: die Anlage steht still!

Sven Jösting Porträtfoto
Autor ist im Thema seit über 16 Jahren aktiv, langjähriges Mitglied der Wasserstoff­gesellschaft Hamburg e.V. (gibt es 2019 nun schon 30 Jahre = www.h2hamburg.de und Mitglied im FDP Bezirksverband Hamburg-Bergedorf.